Gesundheitsexperten warnen vor Blutvergiftung (Sepsis)

Experten fordern mehr Aufklärung

Gesundheitsexperten warnen vor den Gefahren der Sepsis und fordern eine verstärkte Aufklärung von Bevölkerung und Medizinern. Ruth Hecker vom Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) meint:

„Viele Todesfälle wären dadurch vermeidbar.“

Handlungsbedarf sieht auch Josef Hecken vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), dem ranghöchsten Gremium der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. „Pro Jahr gibt es mehr als 300.000 Sepsisfälle in Deutschland, davon 140.000 schwere oder Schockfälle“, so Hecken.

Überreaktion des Körpers

Eine Sepsis kann nach einer Infektion entstehen, wenn die Erreger die Blutbahnen erreichen und der Körper mit der Immunabwehr überfordert ist. Auslöser für die Infektion sind in der Regel Bakterien, es können aber auch Viren oder Pilze sein. Dabei kommt es zu einer Überreaktion des Körpers, die Organe werden geschädigt.

Viel Unwissen rund um Sepsis

Die eigentliche Bedrohung ist also nicht die Infektion, sondern die gegen die eigenen Organe gerichtete Abwehrreaktion darauf. Wie Experte Prof. Dr. Konrad Reinhart im Rahmen der Kampagne „Deutschland erkennt Sepsis“ betont, soll das Wissen rund um Sepsis auch deshalb verbessert werden, weil „auch heute Sepsis von den meisten Menschen primär nur mit Wundinfektionen assoziiert wird, (...) die meisten Medien das Problem Blutvergiftung auf mangelnde Hygiene im Gesundheitswesen reduzieren und bis zur COVID-19-Pandemie beim Thema Infektionsprävention hauptsächlich über Krankenhaus-Infektionen gesprochen wurde, obwohl unabhängig von Pandemien circa 80 % Prozent der Infektionen- bzw. Sepsisfälle außerhalb des Krankenhauses entstehen.

Eine Sepsis hat unterschiedliche Schweregrade, im Extremfall kommt es zu einem septischen Schock, der oft tödlich verläuft. Gefährdet sind vor allem Patienten mit geschwächtem Immunsystem sowie ganz junge und ganz alte Menschen.

Veröffentlicht: 18.06.2021 - Aktualisiert: 10.06.2022